Liebhaber einer rauhen, ursprünglichen Berglandschaft haben das Pfunderer Tal schon seit langem entdeckt. Die herbe Schönheit erschließt sich dem Besucher bereits, sobald er in Vintl die Pustertaler Straße verläßt und dem Pfunderer Bach entlang sanft ansteigend sich der Ortschaft Pfunders nähert. Die Fahrt führt durch schmucke Orte und Weiler, vorbei an schönen, liebevoll gepflegten alten Bauernhöfen, vorbei an Außerdrittel, Weitenberg und Schaldern. Hinter Pfunders wird das Tal steiler, die Straße führt nun durch eine enge Schlucht, die „Pfunderer Eng“ und erreicht auf einer Höhe von 1400 m die Dun, die höchstgelegene Ansammlung von dauerhaft bewirtschafteten Bauernhöfen im Tal. Ungefähr dort, wo sich das Tal in eine östliche und eine westliche Talhälfte gabelt, endet die öffentliche Straße, die Erkundungstour durch die stille Bergwelt der Pfunderer Berge wird nun zu Fuß fortgesetzt.
Reizvoll sind ohne Zweifel beide Täler, an interessanten Tages- und Mehrtagesrouten (besonders empfehlenswert ist natürlich der „Pfunderer Höhenweg“) besteht hier wie dort kein Mangel. Durch das westliche Tal, das Weitenbergtal, erreichen Sie in knapp zwei Stunden auf breitem Weg die Weitenbergalm. Überschreiten Sie von hier aus das Pfunderer Joch, kommen Sie in das Pfitscher Tal, erklimmen Sie hingegen die steile Steinkarlscharte, so gelangen Sie zur Brixner Hütte, zum beeindruckend gelegenen Wilden See oder zur Fane-Alm oberhalb von Vals.
Folgen Sie hingegen dem östlichen Tal, erreichen Sie nach gut zwei Stunden Aufstieg die Edelrauthütte, die noch vor der Jahrhundertwende von der Sektion „Edelraute“ des Wiener Alpenvereins gegründet wurde und die, sofern die Witterung es erlaubt, bis zum zweiten Sonntag im Oktober geöffnet bleibt. Der unvergleichlich schöne Aufstieg über einen alten Steig führt vorbei an kleinen Wasserfällen, idyllischen Talböden, an einsamen Almen und dem herrlich gelegenen Eisbrugg-See. Alpinisten ist die Edelrauthütte ein Begriff, ist sie doch ein guter Ausgangspunkt zur Besteigung der eisbedeckten Gipfel der Zillertaler Alpen, besonders von Hochfeiler und Weißzint. Natürlich setzt die Besteigung dieser Dreitausender einige Erfahrung im hochalpinen Bereich voraus. Wer nicht aufs Eis will, aber dennoch nicht auf einen Gipfel verzichten will, besteigt in ca. einer Stunde die knapp 2900 m hohe Napfspitze und genießt von hier gerade an einem klaren Herbsttag ein herrliches Panorama auf die Gletscherwelt des Zillertaler Hauptkamms, auf die Gipfel der Pfunderer und auf den Neves-Stausee, der tief unten am Talschluß des Mühlwaldtales liegt. Allzu lange sollte die Gipfelrast nicht dauern, denn für den Rückweg, für den man zumeist die gleiche Route wie beim Aufstieg wählt, muß man drei Stunden einplanen.